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Ganz Grazie und lange Beine, und dann diese Hände! Michelangelo, da bin ich mir sicher, hätte Jurassica Parka gern als Modell gehabt. Aber wir schreiben das Jahr 2014, und Jurassica sitzt in Berlin und nicht in Rom und weckt bei mir Assoziationen an David Bowie und Glamrock, und Glamrock, so entscheide ich sehr schnell, soll das Motto für die Gestaltung des Hintergrundes sein.
Eine faszinierende Zeit, die sich mit ihrer androgynen und futuristischen Ästhetik in Stanley Kubricks Werk wiederfindet – oder sich sogar darauf bezieht? Clockwork Orange zum Beispiel. Oder Space Odyssey. Habe ich zum ersten Mal im Freiluftkino gesehen, wo das Weltall sich von der Leinwand einfach in den Sternenhimmel fortsetzte und es sich fast nicht vermeiden lässt, über die ganz großen Fragen der Menschheit ins Nachdenken zu kommen. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin, und was soll das Ganze eigentlich? Michelangelo hat damals eine mögliche Antwort an die Decke der Sixtinischen Kapelle gemalt: Die Erschaffung Adams – durch die Hand Gottes, in einer, ja, ich weiss, häufig zitierten Pose. So häufig zitiert, dass bei überraschend vielen Menschen sofort diese Assoziation auftaucht, wenn sie Jurassicas Porträt sehen. Was liegt also näher, als Jurassica göttinnengleich durch die Unendlichkeit schweben zu lassen?
Apropos Göttin: Der Computer HAL, so lernte ich kürzlich, sollte ursprünglich Athena genannt werden. Athena, Göttin des Multitaskings, nämlich verantwortlich für Weisheit, Strategie, Kampf, Handwerk, Handarbeit und: Kunst.
Wo Bowie die Odyssee im Weltraum gesehen hat, ist nicht bekannt, aber er nennt den Film als Quelle für seine Geschichte über Major Tom: Space Oddity. Und dieser Major Tom, im All schwebend, meldet der ground control: The stars look very different today.

Oldies

Es geht rund im Atelier – und mein Verbrauch an frischen Leinwänden steigt. Damit das Bilderlager trotzdem nicht aus allen Nähten platzt, spanne ich von Zeit zu Zeit einfach alte Arbeiten ab und lagere sie gerollt. Die Keilleisten werden frisch bespannt und grundiert – ach, ein anstrengendes Procedere, aber muss ja getan werden – und dann steht da wieder ein kleiner Vorrat, straff und frisch und weiß, und macht mich froh und tatendurstig.
Hier warten unterdessen die Kandidat_innen für den (vorläufigen) Ruhestand.

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Hände

“Nichts gibt mehr Ausdruck und Leben, als die Bewegung der Hände; im Affekte besonders ist das sprechendste Gesicht ohne sie unbedeutend.”
Lessing hat’s gesagt, und die Quelle, so lese ich, heisst »Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie«, 1766.

Aber ach, Hände m a l e n, das ist eine Aufgabe – wer es schon mal versucht hat, kennt die Probleme. Ich habe bestimmt Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass die Finger vom Handrücken, also quasi “von oben” aus betrachtet, länger sind als von unten – denn da sind ja noch die kleinen Schwimmhäute dazwischen. Oder dass der Daumen nicht einfach wie ein fünfter Finger etwas weiter unten ansetzt, sondern sich dem Zeigefinger gegenüber befindet.
Enorm hilfreich war es mir, mich gründlich mit dem Handskelett zu befassen. Naja, und dann hilft natürlich auch viel zeichnen.

Inzwischen sind mir die Hände, die sprechenden, ein großes Vergnügen, und bei meinen Porträts spielen sie immer eine wichtige Rolle.

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Atelier September 2014

Atelier September 2014

Was für ein herrlicher September – die Modelle geben sich quasi die Ateliertürklinke in die Hand, es lohnt sich kaum, die Pinsel auszuwaschen. Und so hat sich an der großen Wand allerhand getan; ich komme kaum nach mit dem Dokumentieren. Ja, ich höre mich zur Zeit zu Menschen sagen:

“Ich würde sehr gerne ein Porträt mit Dir machen, aber es eilt ÜBERHAUPT NICHT. Lass uns doch Mitte Oktober noch mal sprechen. “

Ist das jetzt mein privater Kunstherbst, oder ist es einfach ein schöner Zufall?

“Give me my robe, put on my crown; I have immortal longings in me.”

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What a piece of work is a man! How noble in reason, how infinite in faculty, in form and moving how express and admirable, in action how like an angel, in apprehension how like a god — the beauty of the world, the paragon of animals!

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Ich wappne mich bereits für den oft gehörten Kommentar: “So lassen! Gerade das Unfertige macht es so reizvoll!”
Kolleginnen, Kollegen, wie geht Ihr mit diesem Ratschlag um? Ihr kennt das doch sicherlich auch, oder? Was erwidert Ihr darauf? Oder befolgt Ihr den guten Rat und wendet Euch der nächsten Arbeit zu?

Motivation

Über Motivation hat Maximilian Buddenbohm neulich was Schönes geschrieben:

http://www.herzdamengeschichten.de/2014/09/03/motivation/

Zwar kann ich mir nicht vorstellen, freiwillig zu solcher Uhrzeit das Bett zu verlassen, aber diese kribbelige Vorfreude und Begeisteung der Marke “Geht es jetzt endlich los?”, die habe ich eigentlich bei jedem neuen Termin mit einem Porträtmodell.
Heute: Koenraad.

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