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Unvergessen: Meine kleine runde Omma, mit Haarknoten und Kittelschürze, aber ohne Zähne, sitzt an ihrem Küchentisch und arbeitet sich mit Hilfe einer Lupe durch dicke Romane. Die Mitgliedschaft im Buchclub führte zu einer sonderbaren Auswahl – ob es eine Chaplin-Biographie war oder der Hippiewälzer “Die Kinder von Torremolinos”, Omma las alles. Und ich dann auch. So kam ich an “Alle Sterne vom Himmel” von Utta Danella.

An diesem Buch bin ich damals hängen geblieben, habe mich total identifiziert. Es geht um eine junge Frau, die aus der Enge ihrer Kleinstadt nach Berlin aufbricht, um Musik zu studieren. Sie tut das Ende der 30er Jahren, verstrickt sich selbstverständlich in dramatische Liebeswirren, überlebt den Krieg in Berlin und hat immer nur das Ziel: Pianistin sein.

Sobald ich Krieg und Liebe entferne, bleibt die geradezu archetypische, ewig gültige Geschichte der Künstler_in in Berlin. Damals wie heute zusammen gesetzt aus Sehnsucht und Leidenschaft, aus wenig Geld, kleinen Bars, klapprigen Autos von Freunden, mit denen nach Potsdam gefahren wird, aus Kurfürstendamm und Gedächtniskirche, Wohnungsmangel, scheußlichen Zimmern und Hinterhöfen an der Potsdamer Straße, aus Hybris und Verzweiflung, ersten Erfolgen und schlimmen Niederlagen, Rauchen und Kognak trinken. Ach Berlin!

Also h a b e ich Krieg und Liebe entfernt, und auch sonst alles, was vom Thema ablenkt, und übrig bleiben 18 Meter storyline.

18 m Sterne

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Sie wollte nur fort, endlich fort / Kleinstadt / Heimatstädtchen / provinziell / tat man es zunächst als kindisches Geschwätz ab / Musik studieren, nicht nur so zum Vergnügen, sondern ernsthaft, als Beruf / eine große Pianistin zu werden / Ein neues Leben begann. Berlin! / in Berlin an. Verwirrt stand sie / hatte sie sich die Stadt nicht vorgestellt, so / findest Dich sonst nicht zurecht / Rankestraße / verkehrsumspülte Gedächtniskirche / der weltberühmte Kurfürstendamm / Fasanenstraße / Hochschule lag. Ein langgestrecktes, helles Gebäude / Tiergarten / ein geeignetes Zimmer mit Klavier / in der Stadt herum / die U-Bahn / so allein in der großen Stadt, einsam wie in einer Wüste / kleines Etwas, das in der Masse unterging / Kaufhaus des Westens / Kranzler / Bisher hatte sie selten geraucht / zum erstenmal eine eigene Schachtel Zigaretten / Filmpaläste am Zoo / bestand sie die Aufnahmeprüfung / Nun gehörte sie dazu. / billigste Menü. / kein Geld / feiern / nette kleine Bar / einer winzigen Tanzfläche / tanzen / Berliner Nachtleben / Semesterbeginn / Abend verbringen / Kino / klapprigen Auto der Freunde nach Potsdam / Es wurde ein langer Abend / Vorlesung in Musikgeschichte / blaß saß sie im Hörsaal mit den aufsteigenden Bänken / Professor / rassigen Künstlerkopf und den grauen Schläfen / Das Leben in Berlin ist gewiß amüsant. / Doch lassen Sie sich nicht zu sehr von der Großstadt imponieren. / Das Wichtigste ist Ihre Arbeit. / Man kann nur eines, ernsthaft arbeiten oder sich amüsieren. / Wenn man Künstler ist, beziehungsweise Künstler werden will, gibt es nur einen Weg. / Ich bin der Meinung, daß bei einer künstlerischen Entwicklung der ganze Mensch beteiligt sein muß, mich kümmert daher auch, was Sie tun, wenn Sie dieses Zimmer verlassen haben. / Etüden und Übungen / festes handwerkliches Fundament / Kunst kommt von Können / Vortragsabend der Hochschule / ersten Semester / diemeisten Studenten / während einer Vorlesung / Orchesterprobe / Partituren / Klavierliteratur / Orchesterwerke / Orchesterproben in der Hochschule / vor einer Vorlesung / rauchten draußen im Korridor / Wir müssen proben / Zusammen verließen sie die Hochschule / Weihnachten daheim / Wie klein die Stadt war, wie eng das Leben hier! / wirkte fremd auf ihre Familie / Die Gegensätze, die schon immer bestanden hatten, traten noch deutlicher hervor. / Du bist dünner geworden, sagte die Mutter tadelnd, sicher isst du zu wenig. / Einfluss der Großstadt / zweimal extra Geld schicken lassen für notwendige Anschaffungen, Noten und Bücher / schlechten Eindruck / so viel für ihre Garderobe verschwendet / Endlich saß sie wieder im Zug / konnte es kaum erwarten / wieder in Berlin / übte jeden Tag viele Stunden / Er wollte stets eine Begründung haben, mit sogenannten künstlerischen Eingebungen und vagen Stimmungen gab er sich nicht zufrieden / Musikstudium / Abschluss des Semesters / Aufführung / Gesangspartien / Hauptprobe / arm in meinem Können / weit von jeder Vollendung und von meinem Ziel entfernt / Ecke Hardenbergstraße / Richtung Zoo / mit großen Schritten die Fasanenstraße hinunter / großer Erfolg / Intendant einer guten Provinzbühne engagierte / Semesterferien / nicht nach Hause / Frühling in Berlin / genoß hier jeder den ersten warmen Sonnenstrahl / fröstelnd in den Vorgärten der Cafés / Schaufenster / sehnsüchtig seufzend / Ach, einmal alles kaufen können, was man sich wünschte / Grunewald / S-Bahn / berühmt sein / Sommersemester / Mit Begeisterung stürzte sie sich wieder in ihre Arbeit / Fortschritte / Karriere machen werde? / zur Zeit an einem Streichquartett arbeite, einer Komposition / Halensee / feste, kräftige Hände, gut geformt, die sensiblen Hände eines Künstlers / zweieinhallb Monate Semesterferien / an den Wannsee zum Baden / Vater gestorben / Was wird aus mir? Aus meinem Studium? / gleich nach Hause fahren / Semester ist ja sowieso zu Ende / letztes Semester / überhaupt nicht mehr zurückkommen / Wovon soll ich denn jetzt studieren? / kein Geld / Aufgeben darfst du nicht / Du wirst es schon schaffen / Irgendwie wird es schon gehen / Es geht immer, wenn man nur richtig will / fast drei Monate daheim / als sei sie niemals fort gewesen / die Künstlerin aus Berlin / eine Zigarette nach der anderen / Kognak / Hier gehörte sie nicht mehr her. Sie hatte eine andere Welt kennengelernt, und sie würde sie sich ganz erobern. / Glücksgefühl durchströmte sie / mit deinem sogenannten Studium ist es zu Ende. Ich habe nie viel davon gehalten / Sturm der Entrüstung / mißratene Tochter / ich muss einfach nach Berlin zurück / künstlerischen Ambitionen / ich liebe meine Arbeit. Sie bedeutet mir alles / genug vn deiner albernen Klimperei / ist doch kein Beruf. Was hast du denn bis jetzt erreicht? Nur deinen Eltern auf der Tasche gelegen / Ich will weg! Weg! / eine große Pianistin, das wird man nicht so schnell / etwas Geld pumpen, damit ich wieder nach Berlin zurück kann / Zimmer war entsetzlich / häßlichen grauen Hof / Hinterhof der Potsdamer Straße / Klavier drin / Miete niedrig / mußte sparen / nach acht Tagen Berlin schon arg zusammengeschmolzen / Semester begann / traf alle Freunde wieder / Kammerorchester auf Tournee / Arbeit / übte auch viel und ausdauernd, oft noch abends / aß wenig, auchte dafür umso mehr / blaß und schmal / mehr Ruhe gönnen / Ich muß verdienen, sonst kann ich nicht weiterstudieren / Stipendium? / allein auch schaffen / Tournee / Unterricht / Arbeit brachte erfreuliche Fortschritte / noch in diesem Semester / öffentlichen Vortragsabend / ein großartiger Konzertwinter / ersten Erfolgen / Geld fehlte / übte eifrig für ihr Konzert / leidige Wohnungsfrage / kündigte / knappe Freizeit auch noch für Zimmersuche opfern / Wohnungsmangel / Zimmer an Musikstudenten / Beziehungen / günstig. U-Bahn inder Nähe, Bamberger Straße, 4. Stock, mit einem Dachbalkon / nicht Untermieter, sondern Mieter / reizende kleine Küche / Hängeboden / Wohngemeinschaft / Heizung, Warmwasser, Licht- und Gasrechnung / Miete immer pünktlich bezahlt / Musikstudenten / ebenfalls Künstler / Künstlervolk / Schauspielschule / Kiste mit Wein, Schnaps und ein paar Flaschen Sekt / War das Leben nicht herrlich?/ Musik / Mittelpunkt unseres Lebens / die Kunst ist eine strenge Göttin, ihr zu dienen ist nicht leicht / Cäcilie, die Götin der Musik / Göttin Musica zu Sieg und Ruhm verhelfen / Klavier / Künstler mit einer weichen, verwundbaren Seele 7 Sehnsucht / musikalisch und hochbegabt / Bach und Beethoven / Mozart / Schubert und Chopin / Violinromanze / Berufung / Kreutzersonate / Erfolg mit ihrem Konzert / Wenn wir erst berühmt sind und viel Geld haben / Künstlern / Künstler / empfindet ein Künstler immer / Verwundbarkeit des wirklichen Künstlers / Arbeit und Erfolg / was dem Leben des Künstlers Sinn gibt / Verantwortung / Kunst / als Künstler in Deutschland / gründete eine Kammermusikgruppe / vierwöchige Konzertreise durch Italien / großen Erfolg / wunschlos glücklich / Quintett von Schumann und das Forellenqintett / Klavierpart / von ihrem Können überzeugt / Künstlerzimmer / Blumenstrauß / genoß den Erfolg / rauschendes Fest / Kollegen aus der Hochschule / Freunde von der Schauspielschule / Schauspielerin / Schauspielerinnen / Hochschule / gelungenen Konzert / aus eigenen Kräften Studium und Lebensunterhalt bestritt / Theater / Freischütz-Aufführung in der Hochschule / Semesterschluß / junge Schauspielerin / Künstler mit Geist und Phantasie / Atelierfest / Maler / manche Künstler / sensibler Künstler / Du bist Künstler / Du lebst für die Musik / Hochschule begann ihr Wintersemester / Engagement an einem kleinen Boulevardtheater / regen Kulturbetrieb / mit dem Deutschen Opernhaus einen Vertrag / in der nächsten Spielzeit / Berliner Engagement / Semesterferien / Hochschule / das neue Semester begann / Klavierkonzert als Solistin / Wannsee / Havelufer / Schauspielerinnen und Sängerinnen / Kranzler / Kurfürstendamm / Deutschen Opernhaus / Klavierabend / ihr bisher größter Erfolg, man feierte sie wie eine Berühmtheit / Fleiß und Ausdauer / brillanten Technik / internationalen Ruhm / Lampenfieber / in meinem Beruf vorwärtskomme / ehrgeizig / aufgeregt / blaß / Hände zu Fäusten ballen, um das Zittern zu verbergen / mechanisch spielte sie das hundertmal Geübte / Melodie wuchs von selbst / glückseliges Machtgefühl / Beifall war gewaltig / brach los wie ein Sturm / Spanung nachließ / leer und gefühllos / weinende Pianistin / großen Kognak / mit einem Schluck hinunterkippte / Zigarette / Künstlerzimmer / Lampenfieber / Nervenbündel / schlanke, durchtrainierte Klavierhand mit den kurzen Nägeln / Beethovensonaten / Ehrgeiz und Arbeitseifer / Musik auf einmal ganz aus meinem Leben verschwunden / seit Monaten keine Taste angerührt / prächtigen Flügel / Schauspieler / abgeschminkt und umgezogen / Künstler / zu einer Probe / seit Wochen nicht gearbeitet / Eine Künstlerin willst du sein? / Sommersemsester begann / Musikzimmer / ebenbürtiger Künstler / Ein hysterisches Frauenzimmer kann niemals eine ordentliche Künstlerin werden / Kunstakademie / Bühnenbildner / Konzertverpflichtungen / Gastspieldirektion / Engagement / Leiter der Schauspielschule / Ich studiere Musik / gerade als Künstlerin / B-Dur-Konzert von Brahms / vermeiden Sie bloße Routinekunst / Musik lieben und verstehen / Der wirkliche Künstler trägt eine doppelte Verantwortung / Die Kunst erhebt den Künstler über die anderen Menschen / Der Künstler ist Diener am Werk / verspätet zum neuen Semester / keine Vorlesungen mehr, keinen Theorieunterricht, nur seine Stunden / intensiv auf die Konzerte vorbereiten / Frauen neigen zu Berechnung und Heuchelei / ständige Unterlegenheit und Benachteiligung / Wenn Frauen einmal die gleichen Chancen bekommen wie Männer, bildungsmäßig, beruflich und vor allem gesellschaftlich, werden sie wahrscheinlich aufrichtiger sein. / Kraft und Mut zeigen, wenn es um persönliche Dinge geht / Wenn die Frauen einmal auf die Idee kommen, diesen Mut und diese Stärke nicht nur für den Kampf um den Mann oder um die Liebe einzusetzen, sondern für sich selbst, für ihr Fortkommen, ihren Beruf, dann werden die Männer ausgespielt haben. / Liebe, soviel du willst, aber stell die Liebe nicht in den Mitelpunkt deines Lebens / Debussy / Bach und Beethoven / Schumann, Brahms und Chopin / kaum Lampenfieber, spielte sicher und fehlerlos / behutsame Feinfingrigkeit / weiblichen Pianisten / Beethoven sei überhaupt nichts für eine Frau / bedeutender Kritiker der Allgemeinen Zeitung / Auf der Bühne / jungen Pianisten / Mozart-Trio / kürzeren Tournee nach Berlin zurückgekehrt / kurze Engagements / Bühnenbildner / Berlin verlassen / Konzertverpflichtungen in Wien / berühmte Berliner Witz und Humor / Malerin / großen unordentlichen Atelier / hauptsächlich um Kunst, im besonderen um Malerei / Du bist verheiratet? Ich denke, du bist Künstlerin? / Eins schließt doch das andere nicht aus? / Was denn sonst? Wie kann eine Künstlerin heiraten? Wie kann sie sich in den Leimtopf der Ehe setzen, wenn sie einen Funken Verstand und Begabung besitzt? / keine technischen Schwierigkeiten mehr für sie, ihre Gelenke waren biegsam und von eiserner Ausdauer, ihre Finger voll Beweglichkeit und harter Kraft / Man wird kein Künstler, wenn man sich gehen lässt. Der wirkliche Künstler braucht mehr als jeder andere Mensch strenge Disziplin, Haltung und Selbstkontrolle / Wann ist dein erstes Konzert? / Einen Pianisten sucht er noch. Ich werde dich empfehlen / Lampenfieber wie noch nie / jung und ungestüm bleiben / Für eine Künstlerin ist das auf jeden Fall ein großes Plus / eine wirkliche Persönlichkeit / Ein wirklicher Künstler / Begeisterung für die Kunst / rauschenden Applaus / mehrmals aufs Podium zurück / spürte den Erfolg / zweite Teil verlief glanzvol / vier Zugaben / Frauen sind, die eine größere künstlerische Gestaltungskraft mitbringen / Deine Heimat ist die Kunst / Trioabend wurde ein großer Erfolg / Ach, Berlin! / strahlender Stern am Musikhimmel / Premiere in der Oper / ausverkauft / das Schumann-a-Moll-Konzert schon gespielt? / Freitag ist Probe / Ich spiele mit den Philharmonikern. Es kann nicht wahr sein / Auf so was muss man doch gefasst sein, wenn man Pianistin ist / Technisch konnte sie das Konzert im Schlaf, die künstlerische Gestaltung war reif und vollendet / internatonale Berühmtheit / Orchesterakkord / dunklen Baßarpeggien / große Saal raste vor Begeisterung / ein Meer von Begeisterung / Flasche Sekt / trank hastig, rauchte ein paar Zigaretten und wartete / Ende des Konzerts / Kritiken über das Konzert waren großartig / mit einem Schlag bekannt geworden / jungen Ruhm zu festigen / Ich bin so glücklich heute / Man muss sich an alles erst gewöhnen, auch an den Erfolg

Utta Danella: Alle Sterne vom Himmel

Salvator – der Erretter. Große Aufgabe für dieses zarte Menschlein.

Herr B. sprach von kleinen Kindern in Overalls wegen ihrer speziellen Silhouette gern als “Hydranten”. Jedenfalls nehme ich an, dass es ihm um die Form ging.

Salvator, 2002, Ölfarbe, Firnis/ Hartfaserplatte, 50 x 50

Salvator, 2002, Ölfarbe, Firnis/ Hartfaserplatte, 50 x 50

Laurentius. Mit Loorbeer geschmückt. Oder von mir aus auch mit kleinen Häkelrosen.

Laurentius, 2002, 50 x 50, Öl/Faserplatte

Laurentius, 2002, 50 x 50, Öl/Faserplatte

Bonaventure (gute Zukunft), mit Ölfarbe auf beschichteter Spanplatte gemalt, dick mit Balsamterpentinfirnis überzogen, 50×50 cm. Eine gute Zukunft ist diesem sorgenvoll dreinblickenden Kind wahrhaftig zu wünschen.

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Zum Lesen hatte ich schon als Kind ein maßloses Verhältnis. Große Freude also über ein Geschenk meiner Patentante: die Lebensgeschichte von “Försters Pucki” in 12 Bänden. Eine coming-of-age-story, anfangs im Forsthaus, später auf der so genannten höheren Schule, dann verliebt, verlobt, verheiratet mit einem Arzt, Mutter dreier Kinder.
Ein erzkonservatives Frauenbild, aber: die kleine Pucki war nicht immer so. In den ersten Bänden ist sie ein Tomboy, wie er im Buche steht. Laut, wild, immer mutiger und draufgängerischer als die Nachbarsjungen, eine kleine Kämpferin für Recht und Gerechtigkeit. Und von Vater und Mutter immer wieder domestiziert und zu einem “recht stillen und artigen Mädchen” erzogen.
So vorbereitet, kann der Feinschliff getrost dem Gatten überlassen werden, der sich ihr gegenüber verhält wie ein geduldiger, nachsichtiger Pädagoge zu einem Kind.
Aber dann muss er doch einmal streng werden: Pucki hat nämlich ihre künstlerische Ader entdeckt und möchte Malerin werden. Sie nimmt Stunden bei einem Kunstmaler in der nahen Kreisstadt und richtet sich zu Haus ein kleines Atelier ein. Dieser “Malfimmel” lässt sie ihre eigentlichen Pflichten vernachlässigen und führt zum Streit mit der gesamten Familie. Pucki knickt ein und gibt auf.
“Die Pinsel sind mir verhasst. Ich bin wieder deine gute, tüchtige Hausfrau. Nein, hab keine Angst, ich widme mich nur noch meinem Haushalt und meinem Kinde!”
Diese letzten Worte bilden die Mitte meiner Arbeit, den Schlusspunkt. Die 12 Bände “Pucki” habe ich reduziert auf die Fläche eines kleinen runden Tisches, der langsam kreisförmig umwandert werden muss, um die Geschichte lesen zu können. Eine Spirale, die in Hoffnungslosigkeit endet. “Eine Erzählung für junge Mädchen.”
Und jetzt der Knaller: Die Autorin, Magda Trott, geboren 1880, war als Frauenrechtlerin bekannt, schrieb feministische Novellen, träumte von der Errichtung eines Amazonenstaats in der Lüneburger Heide, und gründete 1907 zusammen mit anderen wohlhabenden Frauen die erste Berliner “Frauenbank”.

Was war los, Magda?

Kurz bevor die 24-Stunden-Ausstellung in der Kunsthalle der Deutschen Bank eröffnet wird, gibt es darüber im Netz schon allerlei zu lesen. Naja, die Zeit ist ja auch wirklich knapp. Heute mittag um 12 geht es los, morgen um die gleiche Zeit ist schon wieder Schluss.

Berlin Art-Parasites stellt die Künstlerin Beatriz Crespo und ihre Ansichten zu der ganzen Geschichte vor, Daniel Völzke schreibt im Monopol-Magazin, wie er spontan ein Ready-Made schuf (oder entdeckte) und damit nun an der Ausstellung teilnehmen wird. Viel Spaß habe ich mit dem Berlin Independents Guide: Cyrus Smiths beschreibt seinen Tag in der Schlange (“Am I crazy to join this? No, just unemployed.”) und zieht am Ende einen kühnen Vergleich zum Berghain. Die Kunsthalle selber meldet sich auch noch zu Wort: nach Anregung durch etliche Künstler_innen wurde beschlossen, die ausgestellten Arbeiten nicht nur mit Nummern, sondern auch mit Namen zu versehen.

Ich zeige dort dieses hier: ein Bild aus einer größeren Installation zum Thema Sehnsucht/ Liebe. Gewünschte Eigenschaften: treu, anhänglich, verschmust, kinderlieb. Ob es um eine neue Liebe geht oder um ein neues Haustier, lässt sich an der Wortwahl manchmal nicht unterscheiden.

Nachtrag: um halb eins twittert artinberlin dieses Foto. Ist das jetzt die Schlange zum Kunst angucken?

Die Morgenpost hat ein schickes 360-Grad-Foto.

Ignant hat schon vor der Eröffnung fotografieren können – falls Interesse an den Bildern im unteren Bereich der Wände besteht.

Nächster Nachtrag: abends um zehn gibt es bei Artparasites Stellungnahmen von Teilnehmenden und Gästen. (Yeah. It…includes a lot.”)

 

Ach, Kunst! Deutsche Guggenheim ist nicht mehr, heißt jetzt Kunsthalle, gehört der Deutschen Bank und wird am 18. April offiziell eröffnet. Vorher gibt es dort allerdings noch ein Spektakel á la berlinoise: “Macht Kunst”, eine unjurierte Ausstellung für alle Kunst Schaffenden, Profis oder Amateure. Wer will, bringt ein Bild, Technik egal, maximal 2 x 2 Meter, und wird Teil einer 24-h-Ausstellung.

Ist natürlich verlockend, sich die Kunsthalle in die Vita schreiben zu können, die genauen Details der Veranstaltung müssen ja nicht erwähnt werden. Also Lupofolie raus und Kunst verpacken, ab morgens um 10 kann eingereicht werden.

Ich komme mir wahnsinnig engagiert vor, weil ich schon um 8:30 in der Charlottenstraße erscheine – und knapp 300 Menschen Schlange stehen sehe. Die Schlange wächst dann flott auf 3 km Länge, und bei Temperaturen um null Grad und einigen Schneeflocken hilft die Aussicht, dass es hier nicht nur um Ruhm und Ehre geht. Es gibt auch was zu gewinnen: das Publikum wird ein Lieblingsbild wählen, und wer das Bild geschaffen hat, bekommt für ein Jahr einen monatlichen Atelierzuschuss (€ 500!). Den hätte ich sehr gern! Könnt Ihr bitte alle hingehen und mein Bild wählen.

Es heißt übrigens “Romantikfalle”!

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Romantikfalle, 45 x 32 cm, Öl auf Spanplatte

Die Morgenpost meldet: In Berlin stehen die Künstler noch selbst Schlange. Die Kolleg_innen in London haben dafür sicherlich Personal?

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