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Substitute

Beim Einsatz von Requisiten ist Kreativität gefragt. Nicht immer sind die benötigten Tiere im Atelier vorrätig, und es muss ein Ersatz gefunden werden. Hier beispielsweise “Dame mit dem Strickzeug”

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Atelier Juli 2014

Atelier Juli 2014

Wer mag, kann im Blog runterscrollen und vergleichen,was sich seit Mai verändert hat. Von mir aus könnte es ruhig schneller voran gehen – aber die Menschen, die ich porträtiere, haben ja auch ihre Terminkalender. Einer ist fast nie in Berlin, weil er von Dreh zu Dreh reist, eine ist zur Miss CSD gewählt worden und kommt vor lauter Repräsentationsaufgaben zu sonst nichts mehr, eine zieht sich gerade in die Sommerfrische zurück, eine hat vor lauter Projekten überhaupt erst ab Oktober wieder Zeit – frühestens! Und so weiter. Also vertreibe ich mir vorerst die Zeit damit, Kieselsteine zu malen.

Zweites Porträt von K., Detail

Zweites Porträt von K., Detail

War es die Farbe von Violas Kleid? Oder war es die kleine “Flosse”, in die es sich am unteren Rand gelegt hatte? Irgendwie lag jedenfalls der Gedanke an Wasser nah, und wäre es nach Viola gegangen, dann hätte gern ein Quietsche-Entchen im Bild auftauchen dürfen.

Ich habe also die Kunstgeschichte bemüht und mir angeschaut, was es so zum Thema Nixe, Neptun, Wassergeister gibt, einen Abstecher zu “Ophelia” von Millais gemacht, und jetzt liegt da Viola zwischen Seerosen und Hasen.

Der Hase, lerne ich, wird in der bildenden Kunst gern mit Mondgottheiten in Verbindung gebracht, was mich auf den Begriff der sublunaren Welt bringt und schließlich zum Elisabethanischen Weltbild führt. Von dort ist es ein kleiner Schritt zu Shakespeare und der großen Zahl von Tierbezügen, Metaphern und Vergleichen und der ländlichen Welt, die mit den Jahreszeiten und Zyklen des Lebens deutliche Bilder bietet, und wie überraschend ist es doch, dass der Bildtitel am Ende NICHT aus einem Shakespeare-Zitat besteht :-)

The Great Chain of Being (featuring Viola), 2014, 100 x 100, Öl/Leinwand

The Great Chain of Being (featuring Viola), 2014, 100 x 100, Öl/Leinwand

 

 

Conchita Wurst ist mit Sicherheit die bekannteste, jedoch nicht die erste und auch nicht die einzige Dame mit Bart. Ich selbst hatte schon einige in meinem Atelier zu Gast: Marlon Brandy zum Beispiel, Ibo Tatlises, Prinzessin Hans, und im Februar 2014 war Belinda X-Press bei mir, um ihr Porträt malen zu lassen. Da Belinda in diversen europäischen Metropolen zu Haus ist, weiß ich nicht mehr, ob sie aus Paris oder aus Wien einflog. Vielleicht bilde ich mir Wien aber auch nur ein, weil wir ausführlich über Sissi sprachen, und über die unglaublichen Porträts, die Franz Xaver Winterhalter seinerzeit von ihr und den anderen Mitglieder der Königshäuser malte.

Belinda kam mit schwarzsamtener Kleidung, einem Fächer, für den ein größerer Vogel hat Federn lassen müssen, und mit einer Krinoline im Gepäck. Schnell wurde klar, dass diese Art von Kleidung am vorteilhaftesten im Stehen zur Geltung kommt. Die Skizzen, die wir mit einer sitzenden Belinda versucht hatten, wirkten allesamt, als hätte sie sich in eine gemütliche Daunendecke gekuschelt. Ein Blick auf das umfangreiche Werk von Winterhalter zeigt, dass er das wohl ähnlich empfunden hat.

Ich bin mir übrigens nicht mehr ganz sicher wegen der Knöpfe am Ärmel: waren es wirklich genau drei? Oder hatte ich die Zahl aus malerischen Gründen reduziert und dadurch versehentlich aus einer Vormittagstoilette ein Reitkleid gemacht?

Belinda X-Press, 2014, 100 x 100, Öl/Leinwand

Belinda X-Press, 2014, 100 x 100, Öl/Leinwand

Aktuell stehen und hängen 13 unfertige Portraits im Atelier: bei einigen gab es erst ein oder zwei Sitzungen mit Modell, bei anderen fehlen nur noch Details am Hintergrund, und bei manchen habe ich bislang noch nicht einmal eine IDEE für den Hintergrund. Dieser Berg an Aufgaben und Möglichkeiten, an Ideen und notwendiger Recherche, scheint manchmal soo riesig, dass ich besser erst gar nicht damit anfange, sondern statt dessen viel lieber eine flotte kleine Zeichnung mache. Erholung quasi. Heute “My Ancestors: Adi Rosenblum”. Dass ich von dieser Art Erholung schon oft Gebrauch gemacht habe, lässt sich leicht hier nachprüfen.

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20140602-202357.jpgDer Spiegel? Stammt aus der Arnolfini-Hochzeit von Jan van Eyck. Er hat den Rand mit der Passionsgeschichte verziert, mit dem Leiden, Sterben und Auferstehen von Jesus. Ich überlege nun schon seit längerem, was ich statt dessen in die leeren Kreise malen könnte. Vorschläge, irgendjemand?

20140518-215907.jpg Anonyme Zeichner 2014:
Wenn in der Ausstellung plötzlich eine Lücke klafft, in der mein Name steht, dann hat meine Zeichnung offensichtlich eine neue Heimat gefunden. Es war eine Arbeit aus der Serie “To be worshipped”, von der es hier noch etwas mehr gibt.

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