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Bei mir zu Haus sieht es aus wie bei vielen anderen Menschen auch: an der Wand steht ein Sofa, und darüber hängt ein Bild. Zur Zeit ein sehr großes mit dem Titel “Die Verzögerung der Zeit”: ein Ausschnitt aus der Fassade eines Gründerzeithauses, wie es in der Nachwendezeit aussah. Damals hatte ich das dringende Bedürfnis, fotografisch festzuhalten, was rasant im Verschwinden begriffen war, und aus diesen Fotos Malerei werden zu lassen. Einen Teil der Fotos habe ich gerade wieder hervor geholt; ob ich auf das Thema nochmal zurück komme?

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Leihbücherei Erika, Das gute Buch für jeden Geschmack, 1996, Choriner Straße

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Milch, Konfitüre, Sahne, Zucker, Mehl, 1996, Fehrbelliner Straße

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… beratung? Geräte? Knaackstraße, 1996

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Drogenhandlung, Farben, techn. Geräte, 1996, Rykestraße

Go to your bosom; knock there and ask your heart what it doth know. Isabella sagt das in Shakespeares measure for measure, und vielleicht ist das auch der Ratschlag, den wir von der Hauptperson dieses Bildes bekommen würden?

Wenn Malerin und Modell beide aus religiösen Elternhäusern stammen, sind die Schleusentore der biblischen Ikonografie und kunstgeschichtlichen Bezüge weit geöffnet. Wir landeten auf verschlungenen Pfaden bei dem ungläubigen Thomas, der seine Finger in die Wunde tunken muss, um wirklich zu begreifen, was Sache ist. Dazu fiel mir eine Arbeit von Johannes Grützke ein – möglicherweise ein Plakat zur 750-Jahr-Feier Berlins? Ich hatte eine Art Jesus vor Augen, der mit beiden Händen nicht nur seinen roten Bademantel über der Brust auseinander zieht, sondern seine Brust gleich mit aufreißt, und heraus ragen Brandenburger Tor und Funkturm. Bei der Recherche fand ich dann aber nur die Meistersinger, und inzwischen bin ich mir mit meiner Erinnerung gar nicht mehr so sicher. Aber egal, schließlich ging es ja nur um Inspiration und Assoziationen, und hier steht nun das Modell und zeigt nicht seine Wunde, sondern zeigt uns sein Herz.

Go to your bosom, 2015, 100x100, Öl/Leinwand

Go to your bosom, 2015, 100×100, Öl/Leinwand

Dann sind da noch die Gorillas. Aber dazu schreibe ich ein anderes Mal.

Heute beendet – obwohl es eigentlich schon ein älteres Bild ist. 2010 hat Debra mir dafür Modell gesessen, und als der letzte Strich an ihren Haaren und den lila Stulpen gemalt war, gab ich ihr schnell einen schlichten grünen Hintergrund und nahm es mit in die Ausstellung “gender_gap” im Schwulen Museum*.
Warum ich es trotzdem nochmal rausgeholt und weiter bearbeitet habe? Weil Debra sich damals eine Kooperation mit some puppies and a baby lion gewünscht hatte, und wer kann dazu schon nein sagen?

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Gorillas

Go to your bosom; knock there and ask your heart what it doth know!

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Nude

Another day in paradise

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Wer sich diese paradisische Szene einmal in echt und von ganz nah anschauen möchte, hat dazu JETZT Gelegenheit:
In der Nollendorfstraße 11 in Schöneberg bei The Ballery.

Von der kleinen Skizze (25×25 auf Papier) zum großen Gemälde (100×100 auf Leinwand) in ziemlich kurzer Zeit – morgen haben wir noch einen letzten Termin, dann ist die Figur fertig. Wieder ein kleiner Abschied, eine kleine Melancholie zu Jahresbeginn … Jedoch: “Verlust schafft Freiraum”, ein sehr nützlicher Kalenderspruch für viele Gelegenheiten. In diesem Fall heißt das: Mal hören, ob D schon von der Reise zurück ist; ich hätte jetzt Zeit für das Porträt.

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Bonanza

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Eine ganz und gar klassische Pin-up-Pose, die Hannes da einnimmt. Trotzdem dachte ich nicht an Pigalle oder die Reeperbahn, sondern hatte sehr schnell Cowboy-Assoziationen: Prärie, Lagerfeuer, ein langer Tag im Sattel, Sonnenuntergang, hochgelegte Füße, Kaffee aus Blechtassen, grasende Pferde, Lassos, Rinderherden, das ganze Programm. Ach, und dann noch, weniger stilecht, ein Bonanzarad, sehnsüchtiger Traum meiner Jugend.
Das obere Bild ist eine der vielen unterschiedlichen Skizzen, die wir gemacht haben, 25×25 cm, das Bild unten ist die Leinwand, 100×100 cm.

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