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“Twelve significant photographs in any one year is a good crop”, soll Ansel Adams mal gesagt haben. Zwölf Bilder pro Jahr hält er für eine gute Ausbeute. Für mich ist die magische Zahl zehn. Wenn ich zehn Portraits in einem Jahr beenden kann, ist es ein gutes Jahr gewesen. Das letzte Mal habe ich das 2004 geschafft. Also könnte ich mir heute ruhig mal ein Glas Sekt einschenken!

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Atelier Dezember 2015

Moment mal, höre ich eine kritische Stimme rufen, wieso zehn, sehe ich da nicht neun Bilder fertig hängen? Ja, erkläre ich freudig, Bild Nummer zehn befindet sich schon nicht mehr in meinem Besitz. Dieses hier:

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Go to your bosom (featuring Peter C.), 2015, 100×100, Öl/Leinwand

Gut, genug der Rückschau – hier stehen noch weitere Bilder in Arbeit, und bis Jahresende sind es noch zwanzig Tage. Warum nicht Ansel Adams nacheifern?

Aaalso, Poseidon war mit Amphitrite verheiratet und hatte mit ihr den Sohn Triton, die Töchter Rhode und Benthesikyme … und das Pferd Areion – nicht als Haustier, sondern als Nachkomme. Diese Information kommt S. nicht weiter wunderlich vor, denn in der Welt der Superhelden, wo er sich auskennt wie andere Menschen nichtmal in ihrer Westentasche, gibt es vergleichbar bizarre Familienkonstellationen.
S. hatte ein Foto gepostet, das Haar wirr in alle Richtungen: no Halloween plans yet. but my Medusa costume is … improving day by day.
Diese Halloween-Frisur, dieses Medusa-Haar trägt er auf dem Porträt, darum hab ich überhaupt angefangen, in der Mythologie rumzusuchen. Medusa ist eine der drei todbringenden Gorgonen-Schwestern. Frühe Bildnisse sehen zum Fürchten aus: große Glotzaugen, breite Kinnbacken, Eberzähne und ausgestreckte Zunge, auf dem Kopf Schlangen anstelle von Haaren. Andere Quellen schildern Medusas Entwicklung zu einem Meerwesen, und hier kommt Poseidon ins Spiel, der Gott des Meeres: Medusa war von ihm schwanger. Die Niederkunft dann dramatisch, Perseus schlägt Medusas Kopf ab, darauf entspringen ihr der Riese Chrysaor und Pegasos, das geflügelte “Dichterross”.
Na, das passt doch zum Schriftsteller, denke ich mir, und versuche im Hintergrund irgendwas in Richtung Poseidon. Wellen, Wasser, S. auf kiesigem Strand? Auf steinigem Boden? Nichts zündet so richtig. Ich recherchiere Schlangen, Krokodile, Reptilien, dann Superhelden, und plötzlich die Eingebung: Er kniet nicht am Boden, sondern in einem Adlerhorst. Hat ihn ein Adler dorthin entführt, wie Ganymed? Oder hat er, Pegasus gleich, selbst Flügel?
Plötzlich diese Übersicht!

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Gerade erst fertig geworden, Farbe noch feucht, Bild noch ohne Titel, aber ich bin ganz froh damit. Die Geste der linken Hand ist für die Assoziation zu Napoleon verantwortlich – von ihm gibt es allerlei steife, repräsentative Bildnisse, ganz der herrschenden Mode geschuldet, UND es gibt Jacques-Louis David, der den Eroberer auf einem wild sich aufbäumenden Pferd darstellte. Ein sehr bekanntes Bild, in jeder “Malerei der Welt”-Enzyklopädie vermutlich abgedruckt und auch schon mal zur modernen Werbung zweckentfremdet worden. Ich wurde schnell in einem Kunstgeschichtsband fündig, hab eine Vorzeichnung gemacht und dann, um mehr Details zu bekommen, bei googleartprojects gesucht – und mich gewundert über die starke farbliche Abweichung. Ja, bei genauerem Hinsehen war mir, als hätte das Pferd in meinem Bildband einen schwarzen Fleck auf der Brust, der auf dem Bildschirm fehlte. Und eigentlich fehlten dort auch zwei Lederriemen an der Trense, und, nanu, aus dem beigen Umhang war ein roter geworden. Das war doch ein starker Hinweis auf die Lösung: es gibt zwei Versionen dieses Bildes, ach so! Nun gibt es noch eine dritte, mit weißem Umhang, ich wollte um Himmels Willen nicht noch eine neue, starke Farbe ins Bild bringen. Mein Modell, Dieter Rita Scholl, ist bei weitem Farbe genug.

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Es ist in Schöööneberg, im Monat November…., und es geht nicht operettenartig ums Küssen, sondern um Kunst, denn in Schöneberg ist Kunstwochenende angesagt.
Die Galerie Zwitschermaschine, Potsdamer Str. 161, zeigt eine Gruppenausstellung:
DIE LICHTENBERG NORM

“… KünstlerInnen suchen in der Regel für sich die größtmögliche Freiheit im Ausdruck. Das trifft auch und gerade auf das Format ihrer Arbeiten zu.
In dieser Ausstellung wird den Künstlern allerdings eine einzige formelle Grenze gesetzt. Alle Arbeiten sollen in DinA 4 gezeigt werden, während Technik oder Inhalt den KünstlerInnen vollkommen frei überlassen wird…”

Auch ich beuge mich dieser Norm und steuere eine Arbeit bei – zusammen mit etwa 300 anderen KünstlerInnen. Das wird ein herrliches Gedränge geben am Freitag!

Zwitschermaschine, Potsdamer Str. 161, 10783 Berlin, U2 Bülowstraße -­‐ Tel: +49-­‐30-­‐588 54 365
Eröffnung: Fr. 06.11.2015 – 19 Uhr
Ausstellung: 07.11. – 15.11.2015 – Do-­‐So 15-­‐19 Uhr
Öffnungszeiten im Rahmen der schoenberger art 2015: Sonnabend, 7. November, 14.00 -­‐ 20.00 Uhr
Sonntag, 8. November, 12.00 -­‐ 19.00 Uhr

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Atelier Ende Oktober 2015

Atelier Ende Oktober 2015

Von wegen “take a break”: obwohl alles, was mir da im Nacken hängt, noch nicht fertig ist, geht es am Samstag bereits weiter mit ersten Skizzen für Portrait Nummer 16 von Mathias. Es gibt schon Ideen, und wir sind nach all den Jahren ein sehr eingespieltes Team – ich freu mich auf das neue Bild. Sonntag kommt Ryan und wir fangen mit der Vorzeichnung auf der Leinwand an, und am Dienstag treffe ich Sheila, um zu besprechen, wie wir ihren engen Zeitplan, ihre aufwändigen Makeups und detailreichen Outfits und meinen Zeitbedarf im Atelier irgendwie miteinander synchronisieren können. C. hat nun doch kurzfristig abgesagt, dafür hat aber I. im November Zeit, und sowohl T.als auch M. haben auf meine Anfrage erfreut reagiert und zugesagt. Also: take a new canvas, not a break.

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Es ist Oktober, es ist dunkel, nass, trübe und zu kalt, es ist also, kurz gesagt, der richtige Zeitpunkt für eine letzte Begegnung mit dem Schicksal.
“My name is Fate, Fixie Fate!”
Hat sie das gesagt, als unsere Wege sich beim großen Tuntenball zu Ostern kreuzten, wo ich als Tuntenschnellzeichnerin gebucht war? Nötig wär’s nicht gewesen, Fixie ist ja keine Unbekannte.
Im Sommer haben wir uns das erste Mal getroffen, um unsere Zusammenarbeit zu besprechen, und jetzt ist der Herbst da und das Bild ist fertig. Beziehungsweise Fixies Mitarbeit daran ist beendet. Für den Hintergrund bin ich, wie immer, allein verantwortlich.

Too much?

Das war nicht so geplant, als wir damals das erste Portrait gemalt haben.
Das Berliner Männerensemble spielte Shakespeare, ich saß im Publikum, sah Mathias als Julia auf der Bühne und wollte ihn gern als Modell. Die Kleidung, mit der er zu mir ins Atelier kam, und die Pose, in der ich ihn malte, hatten mit der Rolle der Julia so gar nichts zu tun. Aus der sensiblen, durchlässigen jungen Frau in Weiß war ein Kerl in schwarzem Leder geworden, und so gern ich das Bild mochte und immer noch mag, so sehr tat es mir leid um all die anderen möglichen Bilder zwischen diesen beiden Polen, die wir nicht umgesetzt hatten. Es stellte sich heraus, dass Mathias für weitere Zusammenarbeit zu haben war, und daraus ergab sich die Tradition, jedes Jahr ein neues Porträt in Angriff zu nehmen.
Nummer 15: Can one desire too much of a good thing?

Skizzen zum Porträt Nr 15

Skizzen zum Porträt Nr 15

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Can one desire too much of a good thing? (featuring Mathias Noack), 100 x 100, Öl/Leinwand

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