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https://playgender.wordpress.com/skizzen/

Zeichnen, zeichnen, zeichnen, was könnte schöner sein? (Außer malen natürlich 😉) Wie mit ein paar Strichen eine Bewegung erzählt werden kann, ein Gefühl vermittelt wird, eine Geste zum Leben erwacht. Die Zeichnungen, die ich unter dem playgender-Link zeige, sind Skizzen für meine Gemälde. Das Modell kennen lernen, Positionen ausprobieren, feststellen, ob eine gute Idee auch auf Papier noch gut aussieht, ob eine Haltung überhaupt länger als eine Minute auszuhalten ist, historische Gemälde reinszenieren und plötzlich ein ganz anderes Thema auf dem Blatt wiederfinden – das alles können die Skizzen. 

Ab Donnerstag findet im Literarischen Colloquium Berlin ein Festival statt: Empfindlichkeiten. Homosexualitäten und Literatur 

http://www.lcb.de/home/#empfindlichkeiten

Zu diesem Festival bin ich als Zeichnerin eingeladen und schon sehr gespannt, wie sich dort arbeiten und kooperieren lässt. Eine*r der dort auftretenden Künstler*innen hat mit mir gerade Skizzen für ein Porträt gemacht und mich daraufhin schwärmerisch an die Organisator*innen empfohlen. Ich freu mich total – und werde berichten.

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The House of Fame (featuring CrisToni), 2016

Toni hatte Hörner gebastelt – kunstvoll geschwungene, schwarze Hörner. Doch in der Position, die wir für das Portrait gewählt haben, kamen sie überhaupt nicht zur Geltung. Ersatzweise hielt ein Ziegenbock Einzug, eines der typischen „Hexentiere“. Bekannter ist wohl die schwarze Katze, aber auch Wolf und Spinne, Fledermaus und Eule gehören dazu. In Japan sind die Eulen besser beleumundet, dort gelten sie als „divine ancestors“, aber Europa hat dazu andere Ansichten. Eulen tun sich mit Hexen zusammen und tanzen auf den Gräbern, heißt es.
Und wenn wir schon beim Hexenequipment sind, dann sollte doch auch Mandragora nicht fehlen, die Alraune, ein Zaubermittel seit der Antike. Fabelhafte Geschichten rund um dieses „Beruf-Kraut“: vor allem unter Galgen sollten sie wachsen, aus Urin und Sperma der Gehenkten entstehen, und um in den Besitz eines Alraun zu gelangen, muss ein Hund sein Leben lassen. Denn eine Alraune, aus der Erde gezogen, stößt einen tödlichen Schrei aus. Also wird die Pflanze gelockert, einem (schwarzen) Hund an den Schwanz gebunden (um Mitternacht), der zieht sie dann heraus und stirbt.
Vielleicht hatte Ben Jonson solche Geschichten im Sinn, als er um 1610 „The Masque of Queens“ schrieb. In diesem Stück tanzen 11 Hexen und schildern ihre Unarten, bis „The House of Fame“ auftritt – the virtuous queens. Ob Toni zu der einen oder der anderen Gruppe gehört … wer weiß das schon.


Bambi mit einem Kragen wie von Van Dyck geborgt, überhaupt halsaufwärts wie vom Set einer Shakespeare-Verfilmung kommend, steht da wie die von Degas modellierte „Kleine Tänzerin“. Ich bin begeistert! Wie lange ich mir schon wünsche, mal so einen Mühlkragen ins Bild bringen zu können. Aber Bambis Koffer bietet noch mehr:


Eine kleine Meerperson – Neptun vielleicht? Dreizack ist ja vorhanden. 

Als Jan van Eyck die Arnolfinis porträtierte, malte er mit viel Liebe zum Detail eine sogenannte „Hexe“ an die hintere Wand – einen Spiegel mit der im Mittelalter typischen fertigungsbedingten Wölbung. Diese Wölbung erweiterte den Blickwinkel und zeigte mehr, als das Auge ohne Hilfe zu sehen imstande war. Keine Frage, hier musste Magie im Spiel sein, und um sich vor den bösen Nebenwirkungen zu schützen, war es damals üblich, den Rahmen einer solchen „Hexe“ mit allerlei Heiligkeiten zu dekorieren. Im Fall der Arnolfinis waren das Szenen aus dem Leben von Jesus. Aber was passt zu den zwei von mir porträtierten Frauen? 

Ich habe über Formen modernen „Aberglaubens“ nachgedacht, Überzeugungen, Traditionen oder Rituale, die heute anstelle von Religion helfen, mit den Fährnissen des Lebens zurecht zu kommen. Als erstes fiel mir der Brokkoli ein, als universales Symbol der bewussten Ernährung. Die Wasserflasche. Detox-Produkte. Yoga. Doch dann trat ich gedanklich einen weiteren Schritt zurück, denn nicht nur die Religionen haben sich verändert, sondern auch die Hexen. Der Begriff ist inzwischen mehr stolze Selbstbezeichnung als gefährliche Denunziation. Also brauche ich keinen „Gegenzauber“, sondern kann über Symbole moderner Magie nachdenken. 

Und hier kam das Eichhörnchen ins Spiel. In der nordischen Mythologie bewohnte Eichhorn Rattatöskr die Weltesche Yggdrasil und war verantwortlich für raschen Informationsaustausch zwischen den Welten und natürlich auch für Klatsch und Tratsch. Die Germanen sahen den kleinen roten Blitz als Begleitung des Donnergottes. Im Mittelalter wurde es dann, wie eigentlich alle Tiere mit rotem Fell, mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Aber: Hugo van der Goes malte 1470 in das Altarbild „Die Anbetung der Könige“ ein Eichhörnchen auf einen Dachbalken über den Köpfen der Heiligen Familie, als Symbol für die Suche nach göttlicher Wahrheit.

Ein kleiner Wahrheitssucher? Das gefällt mir! 

Today

Ein Jahresvorrat an frischen Leinwänden hält eigentlich länger als bis Mitte Mai. Aber es nützt ja nix, heute habe ich das letzte Exemplar auf die Staffelei gestellt und „angebrochen“. 

Cowgirl

Studie Paula, 2016

Studie Paula, 2016

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