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Hans

Do I entice you? (featuring Prinzessin Hans), 2008

Princessin Hans, “die Amokkinder des Berliner Chansons”, haben Neuigkeiten zu verkünden:
The Snowball Project

Was es damit auf sich hat und wie ich darin verwickelt bin, sollen sie mal lieber selbst erklären. Tun sie auch – in ihrem aktuellen Newsletter.

Schlimm!

Dieses SchwuZ lässt sich ja immer die dollsten Sachen einfallen. Da wird der April kurzerhand zum Tuntenmonat erklärt, und es findet ein Tuntenball statt, an dem ich als Tuntenschnellzeichnerin teilnehme. Ich habe mit dem Genre ja etwas Erfahrung.

In diesem Zusammenhang möchte ich Herrn Goethe zitieren:
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden belebenden Blick,
im Tale grünet Hoffnungsglück;
der alte Winter, in seiner Schwäche,
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farben beleben;
doch an Blumen fehlt’s im Revier,
sie nimmt geputzte Menschen dafür.
“Geputzte Menschen” sind mein Stichwort. Denn wer in High Drag, im Fummel oder in Ballkleidung erscheint, erhält selbstverständlich freien Eintritt.

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https://www.facebook.com/events/353180781546099/

Für Kurzentschlossene ein Hinweis auf diese Eröffnung, heute abend in Berlin:

Rinaldo Hopf hat eine Ausstellung mit annähernd 30 Künstler_innen kuratiert, und wer (wie ich) gespannt auf die Hängung ist, sollte unbedingt am Freitag um sechs vorbei kommen.
Ich werde da sein!

RINALDO’S SALON
@ THE BALLERY
Nollendorfstr.11, 10777 Berlin-Schöneberg
http://www.theballery.com

VERNISSAGE: 20. MÄRZ 18–22 Uhr / MARCH 20 6–10 PM
PERFORMANCES: 27. MÄRZ 20 Uhr / MARCH 27 8 PM
*
Im Salon trifft Kunst auf Gesang, Schön auf Reich und Provokation auf Unsterblichkeit. Der Salon ist ein Traumschiff voller Narren, Prinzessinnen, Poeten und Perverser.

Martina Minette Dreier – Malerei
Henning von Berg – Photo
Anja Müller – Photo
Rosa von Praunheim – Malerei
Dirk Lang – Malerei
Stefan Thiel – Papierschnitt
Etienne Zerah – Photo
Dragan Simicevic – Photo
Frank Lorenz – Malerei
Bettina Düesberg – Malerei
Patrick Bartsch – Malerei, Wandschirm
Stefan Woike – Stoffarbeiten
Sven Oliver – Zeichnung
Lena Braun – Collage
Martin von Ostrowski – Skulptur
Markus Tiarks – Photo Installation
Daniel Schmude – Photo
Sabatino Cersosimo – Malerei
Wolf von Waldow – Skulptur
Bernhard Vierling – Zeichnung
Andrea Galad – Photo
Juliane Daldrop – Zeichnung
Marianne Hopf – Malerei
Rinaldo Hopf – Malerei
Bridge Markland – Performance
Boris Steinberg – Chanson
Jan Gympel – Lesung
& Überraschungsgäste / Surprise Guests

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Tizians “Göttin Flora” war unser Vorbild: mit der Linken lässig einen Schal raffend, die rechte Hand mit Blüten gefüllt, so schaut sie aus dem Bild heraus. Das wollten wir auch probieren. Nur hatte ich gerade keine Blüten vorrätig, dafür allerdings einige Kunststoff-Insekten in Übergröße, und so wurde folgerichtig aus der Flora eine Fauna. Aber wer war denn das eigentlich?
In der römischen Kaiserzeit hatte Fauna ihren eigenen Tempel auf dem Aventin, und nur Frauen durften an ihrem Kult teilnehmen. Sie galt als die “gute Göttin”, die Bona Dea, die Beschützerin alles Lebens in Wald und Flur. Sie wurde angerufen, wenn es um Heilung und Segen ging, und sie war zuständig für Orakel, Weissagung und das helle Sehen.
Fauna trat häufig in Begleitung von wilden Tieren auf, besonders gern mit Schlangen (Häutung, Werden und Vergehen), und der Wald war ihr Revier. Sie ist mit dem Satyr Faunus verwandt, dem Gott der Fruchtbarkeit. Ob sie aber seine Mutter, seine Tochter oder seine Gattin ist, darüber haben verschiedene Quellen unterschiedliche Vorstellungen.
Bei meinem letzten Besuch in Rom habe ich im Park der Villa Borghese Fotos gemacht: wie im Märchenwald sah es dort aus, fremd und verzaubert, und es hätte mich überhaupt nicht gewundert, wenn plötzlich einige Centauren zwischen den Pinien aufgetaucht wären. Mit diesen Impressionen im Gepäck war mir endlich klar, wie der Hintergrund von Fauna aussehen soll. Und da steht sie nun, den Blick himmelwärts gerichtet und bereit, für uns in die Zukunft zu schauen.

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Bei mir zu Haus sieht es aus wie bei vielen anderen Menschen auch: an der Wand steht ein Sofa, und darüber hängt ein Bild. Zur Zeit ein sehr großes mit dem Titel “Die Verzögerung der Zeit”: ein Ausschnitt aus der Fassade eines Gründerzeithauses, wie es in der Nachwendezeit aussah. Damals hatte ich das dringende Bedürfnis, fotografisch festzuhalten, was rasant im Verschwinden begriffen war, und aus diesen Fotos Malerei werden zu lassen. Einen Teil der Fotos habe ich gerade wieder hervor geholt; ob ich auf das Thema nochmal zurück komme?

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Leihbücherei Erika, Das gute Buch für jeden Geschmack, 1996, Choriner Straße

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Milch, Konfitüre, Sahne, Zucker, Mehl, 1996, Fehrbelliner Straße

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… beratung? Geräte? Knaackstraße, 1996

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Drogenhandlung, Farben, techn. Geräte, 1996, Rykestraße

Go to your bosom; knock there and ask your heart what it doth know. Isabella sagt das in Shakespeares measure for measure, und vielleicht ist das auch der Ratschlag, den wir von der Hauptperson dieses Bildes bekommen würden?

Wenn Malerin und Modell beide aus religiösen Elternhäusern stammen, sind die Schleusentore der biblischen Ikonografie und kunstgeschichtlichen Bezüge weit geöffnet. Wir landeten auf verschlungenen Pfaden bei dem ungläubigen Thomas, der seine Finger in die Wunde tunken muss, um wirklich zu begreifen, was Sache ist. Dazu fiel mir eine Arbeit von Johannes Grützke ein – möglicherweise ein Plakat zur 750-Jahr-Feier Berlins? Ich hatte eine Art Jesus vor Augen, der mit beiden Händen nicht nur seinen roten Bademantel über der Brust auseinander zieht, sondern seine Brust gleich mit aufreißt, und heraus ragen Brandenburger Tor und Funkturm. Bei der Recherche fand ich dann aber nur die Meistersinger, und inzwischen bin ich mir mit meiner Erinnerung gar nicht mehr so sicher. Aber egal, schließlich ging es ja nur um Inspiration und Assoziationen, und hier steht nun das Modell und zeigt nicht seine Wunde, sondern zeigt uns sein Herz.

Go to your bosom, 2015, 100x100, Öl/Leinwand

Go to your bosom, 2015, 100×100, Öl/Leinwand

Dann sind da noch die Gorillas. Aber dazu schreibe ich ein anderes Mal.

Heute beendet – obwohl es eigentlich schon ein älteres Bild ist. 2010 hat Debra mir dafür Modell gesessen, und als der letzte Strich an ihren Haaren und den lila Stulpen gemalt war, gab ich ihr schnell einen schlichten grünen Hintergrund und nahm es mit in die Ausstellung “gender_gap” im Schwulen Museum*.
Warum ich es trotzdem nochmal rausgeholt und weiter bearbeitet habe? Weil Debra sich damals eine Kooperation mit some puppies and a baby lion gewünscht hatte, und wer kann dazu schon nein sagen?

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